38 % der europäischen Bürgerinnen und Bürger betrachten Armutsbekämpfung als wichtigstes Ziel der Beziehungen zwischen der EU und Afrika
IP/10/1595, Brüssel, den 25. November 2010
Eine im Vorfeld des EU-Afrika-Gipfels in Libyen (29./30. November) erschienene Eurobarometer-Sonderumfrage zu den Beziehungen zwischen der Europäischen Union und Afrika zeigt, dass die Prioritäten der Zusammenarbeit zwischen den beiden Partnern breite Zustimmung bei den europäischen Bürgerinnen und Bürgern finden.
Nach Ansicht der befragten Europäer bestehen die wichtigsten Aufgaben der Zusammenarbeit:
- in der Armutsbekämpfung (38 %)
- der Gewährleistung von Frieden und Sicherheit (34 %)
- der Wahrung der Menschenrechte (33 %).
Diese Prioritäten entsprechen dem im Lissabon-Vertrag niedergelegten vorrangigen Ziel der EU-Entwicklungspolitik, der Armutsbekämpfung, das auch im kürzlich von der Kommission veröffentlichten Grünbuch „EU-Entwicklungspolitik zur Förderung eines breitenwirksamen Wachstums und einer nachhaltigen Entwicklung“ zum Ausdruck gebracht wurde.
EU-Entwicklungskommissar Andris Piebalgs erklärte:
„Die Millenniums-Entwicklungsziele und die Armutsbekämpfung stehen weiterhin im Mittelpunkt der Partnerschaft zwischen Europa und Afrika. Dass dies auch von den europäischen Bürgerinnen und Bürgern so gesehen wird, bestätigt uns. Die Europäische Kommission hat in diesem Monat bereits Wege zur Festigung unserer Beziehungen aufgezeigt und vorgeschlagen, dies über die Stärkung unserer Beziehungen und eine langfristige Ausrichtung auf breitenwirksames Wachstum und nachhaltige Entwicklung zu erreichen. Das Gipfeltreffen in Tripolis wird eine hervorragende Gelegenheit sein, um zu erörtern, wie wir unsere Zusammenarbeit in dieser Hinsicht verbessern können.“
In der Eurobarometer-Umfrage „EU und Afrika – Wege zu einer engeren Partnerschaft“ wird untersucht, wie die europäischen Bürgerinnen und Bürger die Beziehungen zwischen den beiden Kontinenten wahrnehmen.
34 % der Europäer sind der Ansicht, dass Afrika in den kommenden zehn Jahren als Partner für Europa wichtiger werden wird, während 42 % davon ausgehen, dass sich nichts an den Beziehungen ändern wird.
Die Umfrage wurde in den einzelnen EU-Mitgliedstaaten sehr unterschiedlich beantwortet.
In Schweden, Österreich, Luxemburg, Deutschland, Slowenien und Portugal war die Mehrheit der Befragten der Ansicht, dass Afrika als Partner zunehmende Bedeutung gewinnen wird.
In allen Mitgliedstaaten sind die Bürgerinnen und Bürger immer noch unzureichend informiert: Fast 15 % der Befragten hatten kein genaues Bild von den Beziehungen zwischen der EU und Afrika.
Seit dem EU-Afrika-Gipfel im September 2007 stützen sich die Beziehungen zwischen den beiden Kontinenten nicht mehr auf einen reinen Geber-Empfänger-Ansatz, sondern sind auf eine echte Partnerschaft ausgerichtet, in der Probleme gemeinsam angegangen werden und den Interessen beider Seiten Rechnung getragen wird.
In den 15 „alten“ Mitgliedstaaten (EU 15) und in den zwölf neuen Mitgliedstaaten (EU 12) waren unterschiedliche Trends festzustellen:
Die Bürgerinnen und Bürger aus den „neuen“ Mitgliedstaaten räumten in der Regel der Bekämpfung von Armut und Hunger höchste Priorität ein, während die Befragten aus den „alten“ Mitgliedstaaten die Demokratie und die Förderung verantwortungsvoller Staatsführung als wichtigste Ziele der Zusammenarbeit zwischen den beiden Kontinenten erachteten.
Die Migration stellt nach Ansicht der Umfrageteilnehmer kein besonders wichtiges Thema dar, selbst wenn die Medien vor allem in Südeuropa relativ ausführlich über illegale Einwanderung berichten.
So maßen zwar die Befragten in Spanien (11 %) und Malta (18 %) dieser Frage wesentlich mehr Bedeutung bei als der „Durchschnittseuropäer“, doch im Durchschnitt wurde die Migration als weniger wichtig als die Armutsbekämpfung und die Wahrung der Menschenrechte erachtet.
Das positive Bild, das die Europäer von Afrika haben, bezieht sich in erster Linie auf die einmalige Natur (28 %) und die Tierwelt (24 %). 41 % verbinden mit Afrika andere positive Aspekte wie die afrikanische Kunst, lebendige Märkte, technologische Innovationen und sportliche Erfolge.
Bei einem von zehn befragten Europäern bezog sich das positive Afrikabild auch auf Technologie und Wirtschaft, was zeigt, dass in diesen Schlüsselbereichen der EU-Afrika-Partnerschaft Fortschritte erzielt wurden.
Die Europäische Kommission fördert diese neue Wahrnehmung des afrikanischen Kontinents auf politischer Ebene. In ihrer am 10. November 2010 veröffentlichten Mitteilung über die Festigung der Beziehungen zwischen der EU und Afrika plädiert sie dafür, die Zusammenarbeit auf die Schaffung günstiger Voraussetzungen für Investitionen, Handel und Beschäftigung auszurichten.
Diese Fragen sollen auch auf dem 3. EU-Afrika-Gipfel in Tripolis zum Thema „Investitionen, Wirtschaftswachstum und Schaffung von Arbeitsplätzen“ erörtert werden. Ziel dieses Gipfeltreffens ist es, die Zusammenarbeit zwischen den beiden Kontinenten auf eine neue Ebene mit ehrgeizigeren Zielen anzuheben und das Wachstum und die Beschäftigung auf beiden Kontinenten zum Wohle der Menschen in Europa und Afrika zu fördern.
Hintergrund
2007 riefen 80 Staats- und Regierungschefs aus Europa und Afrika die Strategische Partnerschaft Afrika-EU ins Leben, um über die herkömmliche Entwicklungspolitik hinaus bei der Verfolgung gemeinsamer Interessen und strategischer Ziele zusammenzuarbeiten. Die EU-Afrika-Partnerschaft ist die einzige strategische Partnerschaft, die die EU mit einem anderen Kontinent unterhält. Die Umsetzung erfolgt im Rahmen von acht thematischen Partnerschaften: Frieden und Sicherheit; demokratische Regierungsführung und Menschenrechte; Handel, regionale Integration und Infrastruktur; Millenniums-Entwicklungsziele; Energie; Klimawandel; Migration, Mobilität und Beschäftigung; Wissenschaft, Informationsgesellschaft und Raumfahrt.
Weitere Informationen:
Den Volltext der Eurobarometer-Umfrage finden Sie unter:
http://ec.europa.eu/public_opinion/archives/eb_special_en.htm#353
Hintergrundinformationen über diese Eurobarometer-Sonderumfrage finden Sie in :
MEMO/10/609
IP/10/1495 und MEMO/10/566
zur Mitteilung der Kommission über die Festigung der Beziehungen zwischen der EU und Afrika
IP/10/1494 und MEMO/10/565
zum Grünbuch: „EU-Entwicklungspolitik zur Förderung eines breitenwirksamen Wachstums und einer nachhaltigen Entwicklung – Für eine EU-Entwicklungspolitik mit größerer Wirkung“
Website des EU-Kommissars für Entwicklungszusammenarbeit, Andris Piebalgs:
http://ec.europa.eu/commission_2010-2014/piebalgs/index_en.htm
Website der GD Entwicklung:
http://ec.europa.eu/development/index_en.cfm
Webseite von EuropeAid (Amt für Zusammenarbeit, AidCo):
http://ec.europa.eu/europeaid/index_en.htm
Website der EU-Afrika-Partnerschaft:
http://www.africa-eu-partnership.org/
© Europäische Union, 1995-2010
Quelle: europa.eu
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