Gewünschte Zusammenarbeit: Informationsaustausch/Schulung
Der Stellenwert von Verkehr aus wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Sicht ist immer wieder Kernthema interessanter Forschungsansätze und politischer Analysen. Dabei sei die Problematik nicht nur auf Europa beschränkt, wie das Projekt Stella herausfand, sondern betreffe auch viele Staaten und Städte in Nordamerika.
Veränderungen im Verkehrssektor können Veränderungen der ganzen Gesellschaft mit sich bringen. Gesellschaftliche Veränderungen wiederum verursachen einen Wandel im Mobilitätsverhalten. Eine hoch entwickelte Verkehrsinfrastruktur gilt dabei häufig als Indikator, dass aus einem fragmentierten Gesellschaftssystem ein System mit allen Funktionen einer modernen Gesellschaft geworden ist.
In Europa und Nordamerika zeigen sich diese Wechselwirkungen zum Teil auf ähnliche, aber auch ganz unterschiedliche Weise. Um diesen Veränderungen Rechnung zu tragen, ist es wichtig, ihre Dynamik besser zu verstehen – eines der wichtigsten Ziele des von der Europäischen Kommission finanzierten Projekts Stella.
Im Rahmen der Initiative engagierten sich Expertengruppen aus den Bereichen Wirtschaft, Psychologie, Soziologie, Verkehrsplanung und –technik aus Europa und den Vereinigten Staaten. Sie analysierten Mobilitätsentwicklungen, um die Grenzen des heutigen Wissens zu überschreiten und Themen mit weiterem Forschungsbedarf zu identifizieren.
Das Spektrum reichte von Mobilitätsbedürfnissen älterer Menschen über Bedürfnisse sozial ausgegrenzter Gruppen bis hin zum globalen Güterverkehr. Ersichtlich war dabei, dass der moderne Lebensstil in Überflussgesellschaften und das damit zusammenhängende Mobilitätsverhalten nicht mit den angestrebten Nachhaltigkeitszielen vereinbar ist.
Solche Ziele sind beispielsweise Umweltschutz, die effiziente Nutzung natürlicher und finanzieller Ressourcen sowie eine gleichberechtigte Verteilung von Möglichkeiten und Kosten der Verkehrsinfrastrukturnutzung. Ob bestimmte Mobilitätstrends ökologisch sinnvoll sind, hängt zum Großteil davon ab, ob das Verhalten des Einzelnen durch entsprechende verkehrspolitische Maßnahmen beeinflussbar ist.
In Europa und den Vereinigten Staaten gleichermaßen werden immer mehr Privatfahrzeuge genutzt. Mit zunehmender Entfernung zu Arbeitsplatz, Einkaufsmöglichkeiten oder Freizeiteinrichtungen wird individuelle Bewegungsfreiheit immer wichtiger, sodass Busse und andere öffentliche Verkehrsmittel weiter ins Abseits geraten.
Aus den Erhebungen zu den Bedürfnissen und Gewohnheiten spezifischer Nutzergruppen ergab sich die Notwendigkeit, Nachhaltigkeit aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Dabei stellt sich bei der Gegenüberstellung von Nachhaltigkeit und Verkehr nicht allein die Frage, welcher Grad an persönlicher Mobilität und Flexibilität ökologisch vertretbar sei.
In vergleichenden Studien zum europäischen und amerikanischen Mobilitätsverhalten wurden Unterschiede auf Einkommen und Dichte sozialer Bindungen zurückgeführt. Vor diesem Hintergrund muss sich nun mit der Frage beschäftigt werden, welcher Mobilitätsgrad sozial nachhaltig ist.
Land: NEDERLAND
Informationsquelle: Ergebnis des EU-finanzierten GROWTH-Programms
Datum: 2010-09-13
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NIJKAMP, Peter (Professor)
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